Farbauftrag

Einführung

Es kann bei Ihren Druckprojekten vorkommen, dass die Preflight-Software oder Ihre Druckerei mit der Begründung meckern, es sei ein zu hoher Farbauftrag in den untersuchten Druckdaten enthalten. Was aber bedeutet das genau?

Farbauftrag

Generell wird im Druck das Farbsystem CMYK verwendet, um die Farben zu erzeugen. Wenn also beispielsweise ein Foto gedruckt wird, dann werden die enthaltenen Farbtöne durch CMYK-Mischungen und nicht durch Volltonfarben (also ohne Mischung) erzielt. Der Farbauftrag errechnet sich nun anhand der Summe der einzelnen Farbkanäle – z.B. wird ein klares Rot aus 100% Gelb und 100% Magenta erzeugt, das ergibt also: 200% Farbauftrag.

Das Problem, das hierbei entstehen kann, ist, dass bei einem für das Druckverfahren, das verwendete Papier und die Druckmaschine zu hohen Farbauftrag die Farbe bei der Verarbeitung nicht schnell genug trocknet. Die Produkte werden also weiterverarbeitet, obwohl die Farbe noch immer ein wenig flüssig ist und abfärben kann und so entstehen unschöne Farbflecken auf den Produkten. Darüber hinaus kann es zu Klebestellen kommen, so dass die Produkte bei der weiteren Verarbeitung aneinander haften bleiben.

Bei Ihrer Druckerei sollte im Normalfall angegeben sein, wie viel Prozent maximaler Farbauftrag für das Druckverfahren, die jeweilige Maschine und das verwendete Papier problemfrei zu bewältigen ist. (Bei Expressproduktionen ruhig noch einmal gesondert absichern, da hier häufig beschleunigte Verfahren angewendet werden, weshalb der Farbauftrag noch geringer sein sollte!) Generell bewegen sich die Werte (abhängig von den genannten Faktoren) etwa zwischen 260% bis 340%.

Lösungsansätze

Zuerst einmal muss man sich ansehen, welche Elemente betroffen sind. Sollte es sich um Vektoren oder Schriftelemente handeln, die falsch angelegt oder gewandelt wurden, kann man sie einfach händisch auf den richtigen Farbwert einstellen.

Sollten allerdings Pixelbilder, also Fotos die Ursache des Problems sein, muss man etwas anders vorgehen.

Eine mögliche Lösung ist, per Photoshop in Handarbeit an die Farben heranzugehen und diese mit unterschiedlichsten Methoden anzupassen, zu bearbeiten und immer wieder zu kontrollieren, bis der Farbauftrag passt. Hierfür gibt es kein Patentrezept und es bedarf einiger Erfahrung, da es sehr schnell zu starken Farbabweichungen kommen kann. Außerdem ist diese Lösung sehr nerven- und zeitintensiv, also wirklich nur bedingt zu empfehlen.

Der korrrektere Weg und die zweite Lösung ist, beim Export seiner Druckdaten mit dem richtigen  Farbprofil zu arbeiten. „Richtig“ meint: Passend zum Druckverfahren, der Druckmaschine und dem verwendeten Papier. In diesem Fall wird automatisch der Farbauftrag auf die richtige Höhe eingeschränkt (z.B. ECI ISO COATED v2 – für gestrichene Papiere und Bogenoffsetdruck – limitiert den Farbauftrag auf 330% oder ECI ISO COATED v2 300 – ebenfalls für gestrichene Papiere und Bogenoffset – begrenzt den Farbauftrag auf 300%; weitere Farbprofile und Spezifikationen siehe Link weiter unten). Die Daten werden also in dieses neue Farbprofil umgerechnet und die Farben angepasst.

Hinweis: Wenn Sie nicht wissen, welches Profil Sie benötigen, fragen Sie einfach bei Ihrer Druckerei an!

Allerdings ist dieser Weg, gerade wenn man mit Farbmanagement noch nicht sehr viel zu tun hatte, mit großer Vorsicht zu genießen, da es auch hier mitunter zu starken Farbabweichungen kommen kann – vor allem, wenn das Farbprofil für das Druckverfahren und die verwendete Papiersorte nicht geeignet ist.

So oder so muss man sich immer darüber im Klaren sein, dass bei einer Farbumwandlung – sei es von RGB in CMYK oder auch bei der Umrechnung in ein anderes Farbprofil – immer ein leicht bis stark verändertes Farbbild entstehen kann.

Spezialfall: Schwarz nach Wandlung von RGB nach CMYK

Ein häufiger auftretender Fehler ist, dass Schwarz bei einer (automatisierten) Wandlung von RGB nach CMYK häufig nicht aus 0/0/0/100 (CMYK) zusammengesetzt wird, sondern nach der Wandlung plötzlich aus 100/100/100/100 (oder ähnlichen Werten) besteht, in diesem Fall also 400% Farbauftrag. Generell sind nach einer Umwandlung gerade die dunklen Bereiche häufiger ein Problem, an dieser Stelle ist also besondere Obacht erforderlich!

Anmerkung: Passermarken / Druckmarken

Sollte Ihr Preflight lediglich wegen der Passermarken die Farbauftragswarnung herausgegeben haben, dann bestehen keine Schwierigkeiten. Passermarken werden standardmäßig in 100/100/100/100 (CMYK) angelegt, um während der Produktion eine Kontrolle zu haben, ob beim Druck Verschiebungen der einzelnen Druckfarben auftreten.

Schlusswort

Ich hoffe, ich konnte Ihnen ein wenig durch den Farbauftragsdschungel helfen! Sollten sich noch Fragen ergeben, jemand Fehler finden oder gerne etwas ergänzen wollen, dann immer gerne raus damit, entweder per Kommentarfunktion oder per Mail! 🙂

 

Weiterführender Link zu Colormanagement und Farbprofilen:
http://colormanagement.org/index_de.html

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